Nacht der Lichter 2004 © Herbert Engel
2011 lautet das Thema der Gedenkinstallation des Kölner Künstlers, Rüdiger Kreiter, "Lebenswege":
Lebenswege, die wir gehen, sind so unterschiedlich wie wir Mernschen es eben auch sind. Manche Wegstrecken können einander ähneln, aber immer gehen wir unseren ureigenen Weg. Selten verläuft so ein Weg schnurgerade und eben. Es gibt Weggabelungen, an denen wir uns entscheiden müssen. Was ist der "richtige" Weg?
Und so gehen wir Umwege, geraten manchmal auf Abwege, verstecken uns auf Schleichwegen, stehen uns selbst im Weg, wählen Seitenwege, ergreifen Fluchtwege, gehen uns und anderen aus dem Weg, verlieren uns auf Irrewegen und kommen vom Weg ab.
Manche Wege sind steinig und mühsam zu gehen, sind von undurchdringlich scheinendem Dickicht zugewuchert und lassen uns mutlos verharren. Einsamkeit, Angst und Verzweiflung lauern als finstere Wegelagerer und drohen, uns den Weg zu versperren. Alles scheint aus-weg-los. Und doch sind das Momente, die uns auch Möglichkeiten eröffnen.
So können wir uns auf den Weg machen, uns neue Wege bahnen und damit Veränderung wagen. Manchmal heißt "einen Weg gehen" auch weggehen., uns wieder unterwegs sein lassen, um wieder etwas Neues zu beginnen.
Die schwierigen Wege im Leben müssen nicht in Einsamkeit bewältigt werden. Es ist gut, sich Unterstützung zu holen, Weggefährten zu finden, um gemeinsam mach einem Ausweg zu suchen.
Und die Wegzehrung für diese Lebensreise ist die Hoffnung.
Die Kerzen, die angezündet werden und den Lichtraum füllen, sind Andenken an die Verstorbenen und werden zu Lebenslichtern, die die Toten weiterleben lassen.
Musik und Worte in die Stille
Ein vorwiegend meditatives Musikprogramm - unterbrochen von „Worten in die Stille“, politischen und persönlichen Gedanken und Appellen - erschafft fünf Stunden lang einen Raum des Gedenkens, der Solidarität und des Lichtes für die Verstorbenen.

Nacht der Lichter 1999 © Rego Schnabel
Mancher Besucher verweilt nur kurz, ein anderer bleibt mehreren Stunden; jeder kommt und geht wie er mag. Das ständige Kommen und Gehen der Besucher bringt ruhige und fließende Bewegungen in das Statische des Kirchenraums und versinnbildlicht gleichzeitig, wie viele Menschen in Köln von HIV und AIDS betroffen sind. Bis heute sind in Köln über 1.000 Menschen an den Folgen von AIDS gestorben; mehr als 3000 Menschen leben in unserer Stadt mit HIV/AIDS. Seit 2001 sind die HIV-Neudiagnosen stark gestiegen. 2010 wurden doppelt so viele HIV-Erstdiagnosen gemeldet wie 2001. 2010 hat sich fast jeden zweiten Tag in Köln ein Mensch mit HIV infiziert.
Trotz aller medizinischen Erfolge: AIDS ist immer noch nicht heilbar. In jedem Jahr kommen neue Menschen hinzu, die gestorben sind und neue Menschen, die jemanden durch AIDS verloren haben.
„Die Nacht der Lichter“ ist eine Veranstaltung des Arbeitskreises AIDS Köln e.V. und wurde 10 Jahre lang, 1997 - 2006 unter Federführung der städtischen AIDS-Koordination organisiert. Seit 2007 erfolgt die Organisation durch den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM).

Nacht der Lichter 1998 © Frank Schütte